Seit Jahrhunderten ist Rom Ziel fremder Reisender und Gegenstand literarischer Beschreibungen. Aber erst mit Goethe beginnen im deutschen Sprachraum die Romerlebnisse kontinuierlich aufeinander aufzubauen. »Rom« wurde zu einer allgemeinen Angelegenheit, wurde identitätsstiftender Baustein einer staatlich noch lange geteilten Kulturnation. Umso empfindlicher reagierte man auf Veränderungen. Konnte sich die deutsche Heimat nicht rasch genug verändern und entwickeln, so sollte Rom das »alte« Rom bleiben. Dieses »alte Rom«, dessen Verlust ab etwa 1800 zuverlässig beklagt wird, ist zum literarischen Topos geworden, ein Palimpsest der deutschen Romerzählung: Verschwunden und überformt, aber noch erahnbar und stellenweise durchscheinend. Dabei ist Suche des Unveränderlichen paradoxerweise ein dynamischer Prozess, da jede Generation – wie Achilles bei seiner Schildkröte – ein klein wenig zu spät kommt, um ihr eigenes altes Rom noch zu erleben.
Von Goethe bis hin zur Gegenwart versucht Golo Maurer die Erzählung vom Verlust des »alten Rom« nachzuzeichnen.
© Maddalena Maurer,
Golo Maurer
Golo Maurer (geboren 1971 in München) leitet seit 2015 die Bibliothek des Max-Planck-Instituts für Kunstgeschichte in Rom, die Bibliotheca Hertziana. Zuletzt erschien Olevano. Als ein paar romantische Aussteiger in Italien die deutsche Kunst erfanden (München 2026).
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