Insgesamt zehn Jahre lang hat Rilke, zunehmend verzweifelt, an den Duineser Elegien gearbeitet. Im Januar 1912 hatte er als Gast der Fürstin Marie von Thurn und Taxis auf deren Schloss Duino bei Triest einen Zyklus von zehn Großgedichten begonnen, dessen Vollendung ihm – nach einer qualvollen, hauptsächlich durch den Ersten Weltkrieg bedingten Unterbrechung – erst im Februar 1922 gelang. In einem Inspirationssturm ohnegleichen entstanden damals innerhalb weniger Tage zugleich 55 Sonette an Orpheus. Dort wird der mythische Sänger Orpheus dafür gerühmt, »Tempel im Gehör« zu erbauen. Auch die Duineser Elegien wollen, gleichsam als Sprach-Tempel, halt- und kraftgebende, erhabene Klanggebäude sein. Als »Elegien« sind sie per definitionem Klagegedichte, die menschliches Leid unter den Bedingungen der Moderne thematisieren. Die Dynamik ihres Rhythmus, das Mitreißende ihres Tons aber macht sie zugleich zu Gesängen, ja Hymnen, die nicht auf Lesen, sondern auf ein rückhaltloses Hören angelegt sind. »Und wir, Hörende endlich!«, schrieb Rilke im Jubel der Vollendung. Die freie Rezitation der Elegien von Franziska Walser und Edgar Selge bietet die Möglichkeit, in Rilkes Sinn Hörer zu werden und diese Jahrhundertpoesie als das zu erfahren, was sie wesentlich ist: ein singuläres Ereignis von Rhythmus und Klang. M.K.
© Amngelika Overath,
Manfred Koch
Zu einzelnen zusammengehörigen Gruppen der Elegien wird der Rilke-Biograph Manfred Koch kurze Einführungen geben.
Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich. Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass unser Platzangebot begrenzt ist. Daher werden eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung am Haupteingang der Residenz, Max-Joseph-Platz 3, Platzkarten vergeben.