Im Jahre 1908 schenkte Sultan Njoya von Bamum Kaiser Wilhelm II. zu dessen Geburtstag seinen Thron. Er trägt den Namen »Mandu Yenu«.
Heute steht er im »Ethnologischen Museum« der Stadt Berlin mitten im »Humboldt Forum«. Er ist das Prunkstück der Afrikaausstellung in der deutschen Hauptstadt. Anfang des 20. Jahrhunderts hat er viele Künstler inspiriert, darunter Emil Nolde.
Das Berliner Museum stellt sich im Namen der historischen Gerechtigkeit so manche Frage: »Wie sollten wir Njoyas Geschenk heute vor dem Hintergrund der Kolonialgeschichte verstehen?« War der Thron also tatsächlich ein Geschenk oder bloß ein Zugeständnis an die koloniale Gewalt des Deutschen Reiches? Muss man ihn zurückgeben, weil er ein erzwungenes »Geschenk« war, oder war er tatsächlich ein echtes Geschenk? Der heutige Sultan von Bamum stellt sich diese Fragen nicht. Vielleicht sind die Probleme Europas auch heute noch nicht die Probleme Afrikas.
Walter Benjamin zeigte sich einst überzeugt davon, dass der Schöpfer eines Artefaktes diesem eine »Aura« einhauche. Aber das könnte sich als ein zutiefst europäisches Denken entpuppen. Spirituelle afrikanische Artefakte funktionieren anders als europäische Kunstwerke. Und genau deshalb fordert der aktuelle Sultan von Bamum den Thron auch nicht zurück.
In Berlin wird unterdessen unbeirrt weiter darüber diskutiert, ob der Thron »Mandu Yenu« nicht eigentlich nach Afrika gehöre. Das kulturelle Missverständnis dauert seit mehr als 100 Jahren an. Der Vortrag will erklären, worum es bei diesem Missverständnis geht. M.B.
Mathias Brodkorb (geb. 1977), Studium der Philosophie und des Altgriechischen, ehemals Landtagsabgeordneter von Mecklenburg-Vorpommern sowie Bildungs- und Finanzminister. Heute freier Publizist..
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