Goethe ist ernst zu nehmen, wenn er sich im Gespräch mit Sulpiz Boisserée einen »Plastiker« nennt. Als Denkmal-Entwerfer, etwa für Luther, als Berater und Freund der wichtigsten klassizistischen Bildhauer wie Friedrich Tieck und Christian Daniel Rauch, treibt ihn permanent auch das Thema der Plastik um. Vor allem ist es sein »gegenständliches Denken«, das ihn als Dichter zu eigenen Skulptur-Imaginationen führt, ja ihn als Morphologe auf der Spurensuche der Metamorphose Neues entdecken lässt. Nachweislich hat Goethe in Rom selber modelliert. Hier gewinnt er im Gespräch mit Alexander Trippel Einsichten, die später in seinem maßgeblichen Laokoon-Aufsatz verarbeitet werden. C.L.
Christa Lichtenstern
Christa Lichtenstern, Universitätsprofessorin em., lehrte Allgemeine Kunstgeschichte in Marburg und von 1998–2008 als Ordinaria am Kunstgeschichtlichen Institut der Universität Saarbrücken. Seit 2000 Korrespondierendes Mitglied dieser Akademie. Publikationen zu Goethes Metamorphosenlehre und seiner ungeschriebenen Skulpturästhetik sowie umfangreich zur Zeichnung, Malerei und Skulptur des 20. und 21. Jahrhunderts.
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