In der Praxis ist die Auseinandersetzung mit Museumsbeständen, die aus kolonisierten Regionen nach Deutschland kamen, eine große Bereicherung. Lange nicht waren ethnologische Museen so im Zentrum von öffentlichen Debatten – hier in Deutschland und in vielen postkolonialen Ländern weltweit. Lange nicht war die Kernkompetenz der sensiblen Vermittlung von Kulturen so wichtig. Lange nicht war der weltweite Austausch zwischen Museen und Gesellschaften in Nord, Süd, West und Ost so lebendig.
Europäische Arktis 1634, Philippinen 1878, Kamerun 1907, Kanada 1980: Richard Hölzl diskutiert an vielfältigen Beispielen aus dem Museum Fünf Kontinente, welche neuen Erkenntnisse zur Geschichte der Bestände, des Museums und der kolonialen Begegnung Münchens mit der Welt zu Tage treten. Der Blick in die Vergangenheit hat sich als wichtiger Baustein für die Zukunft von Museen entpuppt. Verantwortung für einen Teil der Gewaltgeschichte des europäischen Kolonialismus zu übernehmen, öffnet Türen weit über die Grenzen der Stadt und Deutschlands hinaus. Es macht ethnologische Museen fit für ein multipolare globale Zukunft. R. H.
Richard Hölzl forscht am Museum Fünf Kontinente zur Herkunft der Museumsbestände. 2024 kuratierte er die Ausstellung »Der Kolonialismus in den Dingen«. Hölzl veröffentlichte zudem Bücher zur Umwelt- und Kolonialgeschichte, zur Geschichtstheorie und zur Geschichte von Epidemien. Als Hochschullehrer unterrichtet er am Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte der Universität Göttingen.
Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich. Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass unser Platzangebot begrenzt ist. Daher werden eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung am Haupteingang der Residenz, Max-Joseph-Platz 3, Platzkarten vergeben.