Der von Descartes formulierte Dualismus zwischen dem Menschen und den ihn umgebenden Dingen hat zu einer Subjekt-Objekt-Auffassung von Mensch und Natur geführt, die unser Denken, Tun und Handeln bis heute prägt. Natur wurde zur Um-Welt. Sie wurde von ihren Göttern befreit, zum Objekt der Forschung gemacht, sie wurde funktionalisiert und in großem Umfang ausgebeutet, gar zerstört. Dabei haben die Menschen in den sogenannten zivilisierten Gesellschaften nicht verstanden und häufig auch nicht verstehen wollen, wie sehr sie die fein ausbalancierten Zusammenhänge in der Natur aus dem Gleichgewicht bringen. Heute, im Angesicht dieser Destabilisierung der Natur und der damit einhergehenden Gefährdung unserer Lebensgrundlagen beginnen wir zu erkennen, dass es neben der Land- und Forstwirtschaft das Bauschaffen ist, das den größten Anteil an diesen Veränderungen zu verantworten hat. Bauschaffen muss deshalb kritisch analysiert, neu entwickelt und fortan anders verstanden werden. Bauschaffen muss neu formuliert werden als der andauernde Versuch der Schaffung menschlicher Heimat im Einklang mit der Natur.
Bauen im Einklang mit der Natur ist viel mehr als die Begrünung unserer Städte. Es ist eine tiefgreifende kulturelle Veränderung, die sich nicht allein an der Begrünung von Gebäuden festmachen lässt. Schon gar nicht, wenn diese Begrünung lediglich als ein Schatten und saisonale Kühle spendendes Funktionselement begriffen wird. Diese Wirkung könnte man auch mit technischen Mittel erzielen. Was also ist das Ziel?
Werner Sobek wird in seinem Vortrag versuchen, den Diskurs über diese Fragen anzuregen und zu bereichern.
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Die Vortragsreihe:
Grün über alles?
Angesichts der Klimakrise und des Klimawandels hat Begrünung eine neue Bedeutung gewonnen und wird vielfach als »Heilmittel« beschworen. Fassaden und Dächer, Straßen und Plätze sollen bepflanzt, die Städte sollen »grün« werden. Der nach dem Vorbild von neuen Gartenstraßen in Paris organisierte Wettbewerb zur Begrünung der Ludwigstraße hat in München heftige Reaktionen ausgelöst. Unter der Fragestellung »Grün über alles?« möchte die Bayerische Akademie der Schönen Künste in einer Vortragsreihe im Herbst/Winter 2026/27 einige Aspekte des wichtigen Themas genauer betrachten. Experten aus verschiedenen Disziplinen werden die Fragen der Begrünung aus ihrem Blickwinkel beleuchten, um mitzuhelfen, die notwendigen Diskussionen mit Fachkenntnissen zu vertiefen.
Den Beginn macht der Architekt, Bauingenieur und international renommierte Experte für nachhaltiges Engineering und Design, Professor Werner Sobek, der über »Bauen im Einklang mit der Natur« sprechen wird. Es folgt Professor Gerhard Schmitt, der für die ETH Zürich das Projekt »Cool Down Singapur« geleitet hat. Dort wurden erstmals Maßnahmen gegen die Überhitzung einer Stadt realisiert, die eventuell überall als Vorbild dienen könnten. Thomas Auer, Professor für Bauklimatik und Gebäudetechnologie an der TU München, wird der Frage nachgehen »Hilft städtisches Grün gegen den Klimawandel?«. Über »Grünflächen und Hirngesundheit« spricht Andrea Winkler, Professorin für globale Gesundheit am TUM Klinikum Rechts der Isar. Wie Klimaschutz und Klimaanpassung gegenüber den Anforderungen der Denkmalpflege von Seiten des Rechts behandelt werden, wird Professor Martin Burgi, Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliches Recht, Wirtschaftsverwaltungsrecht, Umwelt- und Sozialrecht und Dekan der Juristischen Fakultät der LMU München, erläutern. Er hat auch den Begriff »Klimaverwaltungsrecht« geprägt. Einen Blick in die Geschichte verbindet Professor Iris Lauterbach, Spezialistin für europäische Gartenkunst, mit der Frage »Natur und Stadt – Gegensatz oder Symbiose?« Claudia Traidl-Hoffmann, Inhaberin des Lehrstuhls für Umweltmedizin an der Universität Augsburg, wird der Frage nachgehen, wieviel Grün der Mensch aus medizinischer Sicht benötigt. Abschließend untersucht der Architekt und Direktor des Deutschen Instituts für Stadtbaukunst, Professor Christoph Mäckler, Möglichkeiten und Probleme eines Wegs »Von der steinernen zur grünen Stadt?«
Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich. Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass unser Platzangebot begrenzt ist. Daher werden eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung am Haupteingang der Residenz, Max-Joseph-Platz 3, Platzkarten vergeben.