Museen und Universitäten in Deutschland bewahren menschliche Überreste aus allen Regionen der Welt auf. Schädel, Skelette und andere Körperteile von indigenen Menschen gelangten durch globale Sammlungspraktiken und koloniale Netzwerke in die Sammlungen. Durch die kuratorische Praxis in den Institutionen wurden die Überreste der Ahnen entpersonalisiert, zu Präparaten und Objekten verarbeitet und für eine wertende und hierarchisierende physische Anthropologie verwendet. In den letzten zwei Jahrzehnten ist durch Provenienzforschungen deutlich geworden, dass diese Sammlungen im Zuge kolonialer Unterwerfung, durch militärische Gewalt, als Grabraube oder politische Trophäen illegitim erworben wurden. Diese unethischen Hinterlassenschaften in den Institutionen stehen seit etwa zwei Jahrzehnten im Fokus von Rückforderungen aus den Herkunftsländern, aber auch von Forderungen nach einer Dekolonisierung der Sammlungen in Museen und Universitäten. Der Vortrag erläutert Ansätze, Methoden und Ergebnisse der Provenienzforschung an menschlichen Überresten aus kolonialen Kontexten und beleuchtet einige Repatriierungsprozesse aus der jüngeren Zeit.
Holger Stoecker ist Historiker mit den Schwerpunkten deutsch-afrikanische Kolonial- und Wissenschaftsgeschichte, Provenienzforschung sowie für die Geschichte wissenschaftlicher Sammlungen. Er wirkte unter anderem an Forschungsprojekten der Charité und der Humboldt-Universität in Berlin sowie der Universität Göttingen mit. Seine Forschung beschäftigt sich insbesondere mit der Herkunft menschlicher Überreste und naturkundlicher Sammlungsobjekte aus kolonialen Kontexten sowie mit Fragen der Restitution, Erinnerungskultur und der Zusammenarbeit mit Herkunftsgesellschaften.
Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich. Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass unser Platzangebot begrenzt ist. Daher werden eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung am Haupteingang der Residenz, Max-Joseph-Platz 3, Platzkarten vergeben.