Lassen sich Pedigree, Herkunft und Provenienz unterscheiden? Ja – denn seit der Gemeinsamen Erklärung von 1999 richtet sich das Erkenntnisinteresse auf gewaltsame Besitzwechsel. Seither ist ausdrücklich zu klären, ob Kulturgut aufgrund rassischer oder anderer Verfolgung entzogen wurde.
Der Vortrag zeichnet die Entwicklung der Provenienzforschung nach, erläutert Ziele und Methoden und beleuchtet die Vielfalt dieser „Forschung gegen den Strich“: In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts blieb der NS-Kunstraub lange ein eher randständiges Thema. Erst nach dem 2013 bekannt gewordenen „Schwabinger Kunstfund“ wurden Provenienz- und Kunstmarktforschung deutlich ausgebaut. Dennoch fehlt bis heute ein tragfähiges Konzept zu ihrer dauerhaften institutionellen Verankerung: Gefördert werden vor allem befristete Projekte – und nicht nachhaltige Grundlagenforschung zu Akteuren, Strukturen und Objekten beziehungsweise belastbare Infrastrukturen.
So bleibt die Provenienzforschung fragil und gefährdet, nicht zuletzt durch kulturpolitische Positionen am rechten Rand. Gerade deshalb zeigt der Vortrag abschließend den erheblichen Erkenntnisgewinn, den sie für das Verständnis unseres Kulturerbes erbringt. C.F.
Christian Fuhrmeister ist Kunsthistoriker am Zentralinstitut für Kunstgeschichte und apl. Prof. am Institut für Kunstgeschichte der LMU München. Er hat zahlreiche Drittmittelprojekte betreut, etwa zu Kunst(raub) im Nationalsozialismus oder zur Provenienz- und Kunstmarktforschung.
Weitere Informationen: https://www.zikg.eu/personen/fuhrmeister
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