Ursprünglich sollte dieser Abend einer Beobachtung gewidmet sein: An vielen Orten ist Theater entscheidend, vor allem für junge Leute, für den Zugriff auf die eigene gesellschaftliche Gegenwart. Die Theater sind voll in Taipei, Seoul, Johannesburg oder Santiago de Chile. An diesen Orten ist das Theater Leitmedium gesellschaftlicher Auseinandersetzung. Gleichermaßen als Ort der Imagination und des Protests. Theater als Widerstands- und Zufluchtsorte.
Aufgrund des menschenverachtenden Massakers im Januar diesen Jahres an der iranischen Zivilbevölkerung sollte diese Veranstaltung besonders dorthin blicken. Aufgrund der vielfachen iranisch-deutschen Verbindungen im Theater konnten Stimmen versammelt werden, um Einblicke in die iranische Theaterlandschaft zu geben und gemeinsam Texte zum Klingen zu bringen. Zum Termin der Drucklegung können wir nicht wissen, auf welche Lage wir am Veranstaltungstag blicken werden:
Seit dem 28. Februar erleiden die Menschen im Iran einen Krieg mit unabsehbarem Ausgang. An Theaterarbeit ist seitdem nicht zu denken.
Was bleibt aber von Kultur, von Kulturschaffenden und von kulturellen Räumen in Zeiten von Krieg und Gewalt? Welche Formen von Zeugenschaft, Erinnerung oder vielleicht auch Zuflucht kann Theater noch bieten, wenn gesellschaftliche und kulturelle Strukturen erschüttert werden?
Der Titel versucht, diese Frage offen zu stellen: nicht nur danach, was Theater unter solchen Bedingungen verlieren kann, sondern auch danach, was möglicherweise dennoch bleibt. M. V.-S.
In Kooperation mit dem Käte Hamburger Kolleg (LMU) »Dis:connectivity in Processes of Globalisation«.
Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich. Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass unser Platzangebot begrenzt ist. Daher werden eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung am Haupteingang der Residenz, Max-Joseph-Platz 3, Platzkarten vergeben.